Schöner wohnen war gestern - jetzt geht es um emotionales Wohnen
Lange Zeit war „schön wohnen“ das große Ziel. Es ging um Stile, Farben, Möbel, um das perfekte Bild. Räume sollten ästhetisch überzeugen, modern wirken und möglichst zeitlos sein. Doch je länger ich Menschen beim Wohnen beobachte und je tiefer ich mich mit Wohn- und Architekturpsychologie beschäftige, desto klarer wird mir: Schönheit allein trägt uns nicht.
Immer häufiger höre ich Sätze wie: „Es sieht alles gut aus, aber es fühlt sich nicht richtig an.“
Und genau hier beginnt für mich die eigentliche Auseinandersetzung mit Räumen.
Denn Wohnen ist kein Schaufenster.
Wohnen ist Alltag, Rückzug, Auftanken, Ankommen. Unsere Räume begleiten uns durch alle Phasen des Lebens, durch Stress, Veränderung, Freude und Erschöpfung. Sie wirken auf uns – jeden Tag, oft unbemerkt. Und diese Wirkung ist emotional.
Emotionales Wohnen bedeutet nicht, alles weich, gemütlich oder romantisch zu gestalten. Es bedeutet, Räume so zu planen, dass sie uns innerlich unterstützen. Dass sie uns Ruhe geben, wenn wir sie brauchen. Klarheit, wenn unser Kopf voll ist. Energie, wenn wir aktiv sein wollen. Und Geborgenheit, wenn wir uns zurückziehen möchten.
In meiner Arbeit habe ich über viele Jahre erlebt, dass Menschen in wunderschön gestalteten Räumen leben, diese aber kaum nutzen. Bestimmte Ecken bleiben leer, andere Räume werden gemieden, ohne dass jemand genau sagen kann, warum. Dieses „Warum“ hat mich schon früh fasziniert. Ich wollte verstehen, was hinter diesem Gefühl steckt – jenseits von Geschmack oder Stil.
Aus dieser Suche heraus ist mein Raumkompass© entstanden. Er ist kein theoretisches Konstrukt, sondern ein gewachsenes Werkzeug aus meiner Erfahrung, Beobachtung, dem Wahrnehmen von Licht, Wohnpsychologie, Feng Shui und Interior Design. Der Raumkompass hilft mir, die emotionale Qualität eines Raumes zu erfassen – und zwar so, dass sie verständlich und gestaltbar wird.
Wenn ich einen Raum betrete, frage ich mich nicht zuerst, ob er modern, klassisch oder minimalistisch ist.
Ich frage mich: Gibt er Orientierung? Fühlt er sich sicher an? Hat er Lebendigkeit? Und spiegelt er die Menschen wider, die hier leben oder arbeiten? Diese vier Ebenen bilden das Fundament meines Raumkompasses.
Ein Raum, der Orientierung bietet, entlastet uns mental. Klare Strukturen, nachvollziehbare Wege und eine stimmige Raumabfolge geben uns unbewusst Halt. Fehlt diese Klarheit, entsteht innere Unruhe – auch wenn alles „schön“ aussieht.
Geborgenheit wiederum entsteht nicht durch Dekoration, sondern durch Proportionen, Materialien, Licht und durch das Gefühl, einen Platz zu haben. Räume, die schützen, ohne einzuengen, wirken stabilisierend und beruhigend.
Gleichzeitig brauchen Räume auch Vitalität. Sie dürfen inspirieren, anregen, Energie schenken. Zu viel Ruhe kann ebenso ermüden wie zu viel Reiz überfordern. Emotionales Wohnen bedeutet, genau dieses Gleichgewicht zu finden.
Und schließlich geht es um Identität. Ein Raum wird erst dann wirklich emotional, wenn er ehrlich ist. Wenn er nicht kopiert, sondern widerspiegelt. Wenn man spürt: Dieser Raum gehört zu diesen Menschen. Er erzählt ihre Geschichte, ihre Werte, ihre Lebensweise.
Und der Raum entscheidet auch über die Qualität der Gemeinschaft. Wie begegne ich meiner Familie, meinem Partner, meinen Mitbewohner und wie kann der Raum das Miteinander unterstützten.
Was ich immer wieder erlebe: Sobald diese emotionalen Ebenen bewusst wahrgenommen werden, verändert sich der gesamte Planungsprozess. Gespräche werden tiefer. Entscheidungen werden klarer. Menschen fühlen sich gesehen – und verstanden. Gestaltung wird nicht mehr zum Selbstzweck, sondern zum Werkzeug für Lebensqualität.
„Schöner wohnen“ bleibt dabei keineswegs unwichtig. Ästhetik ist nach wie vor ein Teil guter Gestaltung. Aber sie ist nicht mehr das Ziel, sondern ein Mittel. Emotionales Wohnen setzt darunter an – bei der Wirkung, nicht beim Bild.
In einer Welt, die immer schneller, komplexer und lauter wird, brauchen wir Räume, die uns innerlich stabilisieren. Räume, die nicht beeindrucken müssen, sondern uns gut tun. Räume, die mit uns arbeiten, nicht gegen uns.
Für mich ist emotionales Wohnen deshalb kein Trend, sondern eine notwendige Weiterentwicklung. Eine Rückbesinnung auf das, was Wohnen eigentlich bedeutet: an einem Ort zu sein, an dem wir uns sicher fühlen, klar denken können und ganz wir selbst sein dürfen.
Schöner wohnen war gestern.
Heute – und in Zukunft – geht es darum, emotional richtig zu wohnen.
Deine Jeanette Neidhardt
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Mit meinem Raumkompass© mache ich die emotionale Qualität von Innenräumen sichtbar – und entwickle daraus Gestaltungslösungen, die zu dir, deinem Leben und deinem Alltag passen.
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